China holt sich die Oldies
Während in vielen westlichen Ländern ältere IT-Manager und DV-Experten kaum noch vermittelbar sind, genießen sie in China allerhöchste Wertschätzung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des amerikanischen Wesleyan College. Danach ist der Anteil der über 50-Jährigen unter den ausländischen Angestellten überproportional hoch. Hauptursache dafür sei die unvollkommene Infrastruktur, in die Betriebsstätten eingebettet sind. Produktionsausfälle und Improvisation sind an der Tagesordnung, und ältere Mitarbeiter können mit ihrer Erfahrung besser darauf reagieren, schreibt Professor Patricia Matisz Smith in ihrem Bericht. Ihrer Einschätzung nach verlieren junge Manager zu schnell die Nerven, wenn es zu größeren Problemen wie Stromausfall, Versorgungsengpässen oder Problemen mit den Mitarbeitern kommt.
Der Grund, warum das bevölkerungsreichste Land der Welt massenweise Know-how aus dem Westen einkaufen muss: Chinas Wirtschaft ist zu schnell gewachsen. Es gibt im Land einfach keine erfahrenen Fachkräfte, berichten die Personalchefs großer Unternehmen wie Microsoft, HP und Cisco. Microsoft machte jüngst in der chinesischen Presse Schlagzeilen, als man nach eigenen Angaben unter 1000 chinesischen Bewerbern keinen geeigneten hochkarätigen Softwareingenieur gefunden hätte. Harald Weiss/ks
Also der Grundtenor wieder:Stärken und Schwächen sind individuell sehr unterschiedlich verteilt und für jede einzelne Tätigkeit mehr oder weniger relevant. Es ist oft eine Frage der Arbeitsorganistation, ob sie überhaupt und dann wie stark zum Tragen kommen.
In dieser Beziehung wurden in der Vergangenheit geringe Anstrengungen gemacht. Auf anderen (altersneutralen) Defizitfeldern wurden jedoch in der Vergangenheit erfolgreich Lösungen gesucht und umgesetzt. Beispiel: Sprachkompetenz ausländischer Arbeitskräfte im deutschen Arbeitsmarkt oder Sprachkompetenz und kulturelle Kompetenz deutscher Arbeitskräfte auf internationalen Märkten. Bei entsprechender Anstrengung und, falls es sich kaufmännisch lohnt, lassen sich also durchaus Lösungen finden.
In allen Industrieländern steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung schnell an. Auch Schwellenländer, wie China, die mit dirigistischen Mitteln ihr Bevölkerungswachstum gedrosselt haben, sind von diesem Phänomen betroffen.
Statistiker stellen häufig die altersmäßige Zusammensetzung der Bevölkerung in sog. Alterspyramiden graphisch dar. Das Statistische Bundesamt stellt mehrere Versionen davon bereit.


Deutschland wurde trotz jahrzehntelanger Warnungen de facto unvorbereitet überrascht (erinnert irgendwie an die Lage nach dem Fall des Eisernen Vorhangs). In anderen Ländern sind die Anteile anders verteilt; selbst in der EU liegt Deutschland unter dem Durchschnitt, wie die BDA schreibt:
Internationale Vergleiche belegen, dass in beschäftigungspolitisch erfolgreichen Ländern, wie den USA, der Schweiz, Norwegen oder Dänemark, die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen wesentlich höher ist als in Deutschland. In diesen Ländern haben sich die Beschäftigungschancen Jüngerer und Älterer gleichzeitig verbessert. Die bei der Integration älterer Arbeitnehmer vorbildlichen Staaten stehen dabei zugleich auch für eine höhere wirtschaftliche Dynamik. Die Beschäftigungsrate älterer Arbeitnehmer – 55- bis 64-Jährigen – lag im internationalen Vergleich in der Europäischen Union im Durchschnitt bei 40 Prozent, während sie in den USA fast 60 Prozent und in der Schweiz knapp 65 Prozent betrug. Deutschland liegt sogar unter dem EU-Durchschnitt mit 38 Prozent.
... während 3sat schreibt:
Nur jeder zweite Mann zwischen 55 und dem Rentenalter von 65 war 2003
in Deutschland erwerbstätig. Bei den Frauen dieser Altersklasse war es
sogar nur jede dritte, wie das Statistische Bundesamt auf Grund der
jährlich durchgeführten Arbeitskräfteerhebung mitteilte. Mit dem
deutschen Gesamtdurchschnitt von 39,4 Prozent liegt die Bundesrepublik
allerdings nur knapp unter dem der EU von 40,1 Prozent. In den
skandinavischen Ländern Schweden und Dänemark beträgt die Erwerbsquote
dieser Altersgruppe dagegen 68,6 beziehungsweise 60,7 Prozent.
Schlusslichter sind
im Vergleich der 25 EU-Mitglieder
Slowenien und die Slowakische Republik mit 22,7 beziehungsweise 24,6
Prozent. Niedrige Quoten gibt es auch in Polen (27,1 Prozent), Belgien
(28,1 Prozent) und Ungarn (28,9 Prozent).
... ganz klar drückt sich INQA aus:
Dänemark ist übrigens europaweit die Nummer 1, was die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer angeht. ... Arbeitslose finden in Dänemark erheblich leichter wieder einen Job als hierzulande. Die nordischen Unternehmer scheinen damit eine Frage eindeutig beantwortet zu haben, die nach der "Employability", der Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer.
Daraus folgt, daß wir in Deutschland das Rad nicht neu erfinden
müssen. Wir müssen zunächst unseren Verstand einschalten und
analysieren, warum bei anderen möglich ist, was bei uns schier
undenkbar erscheint. Und wenn wir das erkannt haben, sollte uns niemand
hindern, es noch besser zu machen :-)
Daß es Länder mit noch erheblich schlechterer Lage gibt, sollte uns
nicht als Ausrede dienen.
Allerdings agiert Deutschland nicht im luftleeren Raum. Zahlreiche
internationale Verträge (wie WTO, GATT)
haben die früher bestehenden Schutzmechanismen (wie Importzölle)
zu
stumpfen Waffen gemacht oder ganz verboten. Weltbank und IWF
wiederholen gebetsmühlenartig ihre Credo vom freien Kapitalverkehr.
Eine ohne demokratische Legitimation ermittelte EU-Kommission ersinnt
laufend neue Rahmenverordnungen, welche die nationalen Parlamente nur
noch abnicken dürfen.
Auch können Unternehmen nach Belieben ihre Produktion verlagern und
genießen andernorts erheblich Steuervorteile. Da sie alle in weltweitem
Wettbewerb stehen, tun sie das auch, wenn ihre Renditerechnungen
bessere Wettbewerbsfähigkeit verheißen. Ein Unternehmen, daß hierbei
zurückfällt, wird mit Konkurs bestraft. Es wäre also müßig, an die soziale Verantwortung
von Unternehmensführungen zu appellieren. Insbesondere anonyme
Kapitalgesellschaften (im Gegensatz zu
überschaubaren
Personengesellschaften) messen solchen Maßstäben
so gut wie keine
Bedeutung bei.
Wer meint, er könne einerseits die Globalisierung aller Märkte (auch des Arbeitsmarkts) gutheißen und andererseits glaubt, regionale Privilegien und Sicherheiten retten zu können, verhält sich wie der Hund, der den Mond anbellt, auf daß dieser zu ihm herunter komme.
Warum sollten wir überhaupt gegen diese Situation angehen? Ist es
nicht schön, schon lange vor dem erwarteten Termin so quasi vorab ein
bischen das Rentnerleben zu üben?
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Situation sind gravierend mit
sich verschärfender Tendenz. Die Handelnden in diesem Szenario sind von
den Folgen ihrer Entscheidungen nur indirekt - wenn überhaupt -
betroffen, nehmen also kurzfristig keine Rücksicht darauf.
Unternehmen werden schrumpfende Absatzmärkte vorfinden, weil mangels
Kaufkraft
die (arbeitslosen) Kunden ausbleiben. Dadurch müssen die
betroffenen Unternehmen entweder neue Absatzmärkte erschließen (=
Investition) oder noch mehr sparen und rationalisieren; die
Abwärtsspirale dreht sich weiter. Bei geringerer Auslastung sinkt die
Produktivität, wodurch sich die Stückkosten
erhöhen.
Deutsche Unternehmen werden es nach Ansicht von Wissenschaftlern bereuen, wenn sie in der Flaute ältere Arbeitnehmer entlassen. Von 2010 an werde die Wirtschaft unter einem Fachkräftemangel leiden, erklärt die Aachener Arbeitswissenschaftlerin Marie-Christine Stemann. «Es wird alle Bereiche treffen: Beamte, Bankwesen, Produktionsunternehmen, Hochschulen.» Dann seien ältere Arbeitnehmer mit ihrem Erfahrungsschatz gefragte Leute.
Die letzte Feststellung scheint den vorher angeführten Tatsachen auf
den ersten Blick zu widersprechen. Wie sollen bei weniger Arbeit die
Älteren fehlende Fachkräfte ersetzen?
Was genau fehlt? Es geht aber weiter:
Arbeitslose könnten den entstehenden Bedarf nur teilweise decken, da die Qualifikation oft fehle. In den Arbeitsämtern werde diese Entwicklung «verschlafen». «Wenn man da etwas tun würde, würde das passen. Aber da passiert eben nichts», sagte Stemann.
Also weder können die Arbeitslosen die fehlenden Fachkräfte stellen, noch kommen diese durch Zuwanderung (mangels bedarfsgerechter Selektion) herein. Die Unternehmen gehen dann lieber gleich selbst zu den Fachkräften vor Ort. Dort weiß man allerdings dann oft nicht, ob diese Kräfte so viel besser oder nur so viel billiger sind. Warum werden dann sowohl Zuwanderung als auch das Arbeitslosenheer dennoch pauschal als Heilmittel empfohlen? Die Verwirrung resultiert aus der isolierten Betrachtung der einzelnen Problemfelder (nur die Kosten, nur die Renten, nur der Wettbewerb, nur die Kaufkraft, usw.). Oft ist die Argumentation auch unterschwellig durch Gruppeninteressen verfälscht.Auch in Deutschland hat sich gezeigt, dass ein frühzeitiges Ausscheiden Älterer aus dem Erwerbsleben keine nachhaltig positive Wirkung auf den Arbeitsmarkt entfaltet. Vielmehr ist zu erkennen, dass eine geringe Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer ein warnender Indikator für die strukturelle Schwäche des Arbeitsmarktes ist. Denn damit einher geht eine hohe Arbeitslosenquote der Älteren sowie ein hoher Anteil dieser Altersgruppe an den Langzeitarbeitslosen. In Deutschland sind über 1 Millionen Arbeitslose älter als 50 Jahre; davon über die Hälfte länger als ein Jahr.
Ganzheitliche Betrachtung ist also gefragt. Die Wirtschaft spielt sich nämlich ebenfalls nicht in einer Parallelwelt ab, auch wenn das Handeln und die Sprüche größerer Kapitaleigner dies manchmal glauben machen wollen. Alle sind auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Durch Nichthandeln oder falsches Handeln ist der weitere Abstieg vorhersehbar.«Die Wirtschaft» - das sind nicht nur die Kapitalbesitzer und ihre angestellten Manager - das sind wir alle: als Konsumenten, als Produzenten, Arbeiter, Dienstleister, Kaufleute. Also müssen wir uns auch alle den Kopf zerbrechen und unseren Einfluß geltend machen.
Auch «Der Staat» sind wir alle - nicht nur die Politiker (die wir alle paar Jahre im Zustand geistiger Umnachtung wählen), nicht nur die Beamten, nicht nur die EU-Kommissare samt ihren hochbezahlten Hilfskräften.An diesen beiden Stellen werden die Weichen gestellt, die über die
Verwirklichung der oben genannten Verbesserungen entscheiden. Deshalb
müssen wir dort Einfluß nehmen.
EQUIB: "In den meisten Betrieben ist ein Umdenkprozess in Gang gekommen. Es kann festgehalten werden, dass die Betriebe in ihren Einstellungen bereits deutlich auf Distanz zur bisherigen jugendzentrierten Personal- und Qualifizierungspolitik gehen."
Die IG Metall hat in ihrem
Arbeitnehmerbegehren
ebenfalls Forderungen erhoben und Konzepte entwickelt.
Erfreulicherweise hat sie zu einer problemübergreifenden Sicht der
Dinge gefunden und stellt dieses Arbeitsmarktproblem in einen größeren
Zusammenhang.
Da steht beispielsweise:
Niedrigere Löhne = weniger Arbeitslose?
Weil Arbeit angeblich zu teuer und Arbeitslose zu anspruchsvoll sind, werden Leistungen für Arbeitslose gekürzt und es wird Druck auf sie ausgeübt, damit sie Jobs für wenig Geld annehmen. Niedriglöhne als Wunderwaffe gegen Arbeitslosigkeit? Nach dieser Rechnung gäbe es in Ostdeutschland kaum Arbeitslose. Tatsächlich gibt es dort beides: niedrige Löhne und eine etwa doppelt so hohe Arbeitslosenquote wie in Westdeutschland. Das ist auch erklärlich, denn die Probleme liegen ganz woanders: Fehlende Nachfrage führt zu geringerem Wirtschaftswachstum und steigender Arbeitslosigkeit.
Ebenfalls sehr konkrete Vorschläge finden sich bei Arbeit & Alter
der österreichischen Industriellenvereinigung und Arbeiterkammer.
Bundesweit
bemühen sich Arbeitslosen-Initiativen wie das Kieler
Netzwerk um Verbesserung. Auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt
schätzen Jürgen Kudzus und seine Mitstreiter besonders die
Arbeitslosen-Initiativen: "Man hat Gesprächspartner, die zuhören und
uns verstehen."
Ohne Geld tut man sich natürlich schwer, sich zu
organisieren. Man kann nicht reisen, man kann keine Räumlichkeiten
mieten, in den Kneipen als typischen Kontaktplätzen muß man den
Schnorrer spielen. Obendrein muß man noch sein Phlegma überwinden und
viele scheuen sich überhaupt, den Kopf aus dem Fenster zu strecken, und
ihr Problem öffentlich zu machen. Andere Interessengruppen tun aber
gerade das, weil sie sonst keinen Erfolg hätten.
Wir Betroffene müssen also damit anfangen, unsere eigene Einstellung zu überprüfen. Die Älteren müssen ihre alterspezifischen Stärken herausarbeiten, gezielt weiterentwickeln
und nutzbar machen. Sie erhöhen damit ihre Kompetenz am Arbeitsmarkt. Ansonsten werden uns die Marketing- und Politstrategen jeglicher Couleur weiterhin nur als Konsumenten oder als Sozialballast wahrnehmen.
Die Politik (vor allem der EU) kümmert sich überwiegend um die
Interessen der Großunternehmen,
die mit ihren starken Lobbies und und Presseabteilungen schnell Gehör
finden. Diese Großunternehmen unterliegen aber am schnellsten den
Verlockungen einer schrankenlosen Globalisierung. Wenn man das auch nur
schwer verhindern kann, so ist es doch grundfalsch, diese Unternehmen
auch noch dafür zu fördern. Der Mittelstand schuf weitaus mehr Arbeitsplätze, wird
aber von der Politik stiefmütterlich behandelt:
Der Exportboom der deutschen Wirtschaft ist verpufft, ohne daß die Bundesregierung die Zeit genutzt hätte, um die Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft – insbesondere für die kleinen und mittleren Betriebe – zu verbessern und so die Grundlage für einen dauerhaften Aufschwung zu schaffen. Schließlich ist der Mittelstand der Motor für neue Beschäftigung in Deutschland. In den neunziger Jahren haben die rund drei Millionen mittelständischen Unternehmen über zwei Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen. Dagegen bauten die Großunternehmen Arbeitsplätze ab. Die mittelständischen Unternehmen (bis 100 Millionen Mark Jahresumsatz, bis zu 499 Beschäftigte) sind das Rückgrat und der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. Sie tätigen fast die Hälfte aller Investitionen, beschäftigen 68 Prozent aller Arbeitnehmer und bilden 80 Prozent aller Lehrlinge aus.
Insolvenz eines Großunternehmens ruft Politiker bis hin zum
Bundeskanzler auf den Plan. Mittelständische und kleine Unternehmen
(von denen 2002 38.000 mit 600.000 Stellen insolvent wurden; im ersten
Halbjahr 2003
19953 Unternehmen) sind selbst den Medien kaum eine Berichterstattung
wert. Insgesamt gehen dadurch aber weit mehr Arbeitsplätze verloren,
als durch Konkurse von Großunternehmen.
Arbeitsmigration muß den Zielländern nützen.
Die Bundesrepublik Deutschland muß von ihren Einwanderern
Mangelqualifikationen fordern, wie das andere Einwanderungsländer schon
seit langem tun; sie darf sich nicht als Schlaraffenland für in ihrer
Heimat zu kurz gekommene darstellen. Dadurch würde für die Betroffenen
auch der Anreiz steigen, die nötigen Reformen in ihren Heimatländern
selbst durchzusetzen. Man kann über humanitäre Ausnahmen streiten, aber
pauschal ist es wie mit der wirtschaftlichen Globalisierung: wer sich
dem Wettbewerb nicht anpaßt geht pleite, auch wenn er den Wettbewerb an
sich für verwerflich hält.
Einen weiteren Ansatzpunkt bietet die Familienpolitik. Die Altersstruktur der Bevölkerung muß wieder ausgewogen werden. Wir streben heutzutage keine Pyramide wie in früheren Jahrhunderten mehr an, weil anerkanntermaßen die Weltbevölkerung nicht weiter steigen soll. Aber die einzelnen Altersgruppen sollten sich wenigsten die Waage halten. Das Problem der massenhaften Abtreibung (jährlich rund 150.000) könnte mit besseren politischen Rahmenbedingungen entschärft werden:
Die demographische und sozialstaatliche Krise, in die
Deutschland geraten ist, war vorhersehbar. Heute leben in weniger als
30 Prozent der Haushalte Kinder. ...
Angesichts
der Tatsache, daß der Familienlastenausgleich im letzten Jahrzehnt nur
um 13,9 Prozent gestiegen ist, während das Bruttosozialprodukt im
gleichen Zeitraum um fast 60 Prozent anstieg – und angesichts der
Tatsache, daß der Anteil des Lastenausgleichs am Sozialbudget von 20,8
Prozent im Jahre 1960 auf heute 12 Prozent gesunken ist, muß man
eingestehen, daß Deutschland seine Familien vor allem als
finanzpolitischen »Steinbruch« mißbraucht hat. Heute gilt es nicht nur,
diese Einsparungen wieder den Familien zufließen zu lassen, sondern sie
auch besonders zu fördern. Wir müssen über einen
Lastenausgleich hinaus zu einem echten Leistungsausgleich kommen, da
Kinder keine Last sein sollten, sondern die Erziehung von Kindern eine Leistung
ist, die Eltern gegenüber unserer Gesellschaft erbringen. ...
Die
heutigen Arbeitnehmer zahlen ihre Beiträge zur gesetzlichen
Rentenversicherung für die Renten der jetzigen Ruheständler und nicht
für ihre eigenen Altersbezüge. Diese werden später durch ihre
Kindergeneration aufgebracht. Wer also bewußt auf eigene Kinder
verzichtet, kündigt einseitig den Generationenvertrag auf und verläßt
sich darauf, daß die Kinder anderer Arbeitnehmer schon für ihn
mitbezahlen werden.
In Zeiten des Internets hat jeder die Möglichkeit, mit seinen
Vorstellungen Öffentlichkeit
zu finden, auch wenn es bei weitem nicht an die Möglichkeit großer
Organisationen (dazu gehören auch die etablierten Massenmedien)
heranreicht. Die Arbeitslosen müssen sich ungefiltert Öffentlichkeit
verschaffen. Sie sollten die Massenmedien als ihre Diener und nicht als
ihre Lehrmeister ansehen. Ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen
scheint nach den vorangegangenen Erfahrungen mit Diktaturen direkt von
der Obrigkeitshörigkeit zur Medienhörigkeit umgeschwenkt zu sein.
Nach wie vor gibt es das altbewährte Mittel der Wahlen zu
den Volksvertretungen. So unscharf wie es einsetzbar ist, so wenig wird
es von den Stimmbürgern verwendet und erschöpft sich meist in
ritualhafter Ausübung: Gewohnheitswahl ¡ Protestwahl ¡
Wahlverweigerung. Wer stellt schon Forderungen
an
seinen vorgesehen Wahlkreisabgeordneten? Kaum jemand fragt ihn/sie ja
nach seinen Vorhaben, geschweige denn, bestimmte Initiativen zu fordern!
Dabei sind diese Abgeordneten der einzige, schwache, indirekte
Einfluß auf die internationalen Gremien, welche in feudalistischer
Manier über unser aller Wohl und Wehe entscheiden. Wenn der Pöbel
sich damit abfindet, muß er fressen, was die Herren ihm hinwerfen.