Esperanto

Die Esperanto-Bewegung wurde vom polnischen Augenarzt jüdischen Glaubens Ludwig Lazarus Zamenhof (andere Schreibweise: Ludwik Lejzer Zamenhof), der im Russischen Reich (im ostpolnischen Białystok) aufgewachsen war, ins Leben gerufen. Er veröffentlichte 1887 in Warschau ein Minimalgerüst seiner Sprache: die wichtigsten grammatischen Regeln, Beispieltexte und eine Liste von 904 Grundmorphemen und Affixen. Es handelt sich also um eine sog. Plansprache. Deren Rolle wollte Zamenhof auf die einer internationalen Sprache neben den Nationalsprachen beschränkt wissen; eine alleinige Weltsprache beabsichtigte er nicht. {1} 

Die Grundelemente hatte Zamenhof aus verschiedenen anderen Sprachen übernommen: siebzig Prozent stammen aus romanischen Sprachen, zwanzig Prozent aus dem Deutschen und dem Englischen, der Rest ist den slawischen Sprachen, dem Hebräischen, dem Jiddischen und dem Altgriechischen entnommen. Die Grammatik wurde im Vergleich zu natürlich gewachsenen Sprachen radikal vereinfacht, den übernommenen Wortstämmen wurden einfach Vor- und Nachsilben mit verschiedenen Funktionen angehängt. {2} 

So ein Vorhaben hat offensichtlich nicht nur eine kulturelle, sondern vor allem eine umfassend politische Dimension. Als einzige von mehreren Plansprachen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbreitete und entwickelte sich Esperanto (wohl aufgrund des offenen Konzepts - eine Art Open Source der Linguistik {15}  - und des völligen ©-Verzichts) in Europa relativ schnell. Die Verbreitung der Sprache durch die internationale Arbeiterbewegung {7}  und die jüdische Herkunft Zamenhofs führten zur Verfolgung der Esperantisten, vor allem in der Zeit und in den Einflußbereichen des Nationalsozialismus und des Stalinismus.

Ironischerweise haben die Nationalsozialisten damit letztendlich ihren globalen Widersachern in die Hände gearbeitet, deren Sprache nun zum weltweiten de-facto-Standard zu werden droht. Die frühere Rolle des Französischen als Diplomatensprache hat inzwischen das Englische – verbreitet durch die größten Kolonial-, Militär- und Handelsmächte – mehr als übernommen. Auch kulturelle Inhalte werden über eine dominierende Sprache weltweit durchgesetzt (Beispiele: Hollywoodisierung der Filmwelt, anglophone Dominanz auf dem kommerziellen Musikmarkt).

Argumente für den Einsatz

Esperanto-Ei

Plansprachen allgemein

Weitgehend synonym werden die Begriffe Kunstsprache und (Welt-)Hilfssprache verwendet.

Einige Beispiele:
  1. Volapük (1879)
  2. Esperanto (1887)
  3. Ido (1907)
  4. Occidental / Interlingue (1922)
  5. Interlingua (1951)
  6. Lingua Eurana (2004)
  7. philosophische Sprachen
  8. Solresol (1866)
  9. Suma (1957)
  10. Loglan (1960)
  11. modifizierte Ethnosprachen
  12. Maschinensprachen (Programmiersprachen)

Die einzelnen Sprachen haben sehr unterschiedliche Reifegrade erreicht. Einige kamen über das Veröffentlichungsstadium nie hinaus, andere erreichten einige Verbreitung, schrumpften danach aber wieder oder sind gar erloschen. Die auffallende Ausnahme bildet Esperanto, das sich zu einer lebendigen Sprache entwickelt hat.

Von 1924 bis 1953 gab es die IALA mit Sitz in New York. {8}  Sie betrieb die Interlinguistik wissenschaftlich.

Literatur:
Detlev Blanke: Internationale Plansprachen - Eine Einführung; Sammlung Akademie-Verlag, ISSN 0138-550X; Berlin 1985

URLs:
Zusammenstellung der GIL

Esperanto speziell

Esperanto löst nicht alle Probleme, die natürliche Sprachen aufwerfen, doch sind sie in jenen meist wesentlich schlimmer ausgeprägt. Dennoch hätte man bei längerer Vorlaufzeit der Planung und mehr Erfahrung einige übriggebliebene Hindernisse umgehen oder mildern können. Andererseits erwächst Erfahrung eben nur aus dem praktischen Gebrauch einer Sprache: in Wort und Schrift, wissenschaftlich, literarisch und umgangssprachlich. Es hat einige Reformprojekte {5}  gegeben, die Esperanto jedoch nicht verdrängen konnten; nach einer Blütezeit sind sie wieder eingeschlafen.

Literatur:

  1. Klaus Dahmann / Thomas Pusch: Esperanto für Globetrotter; Kauderwelsch Band 56, Bielefeld 1991 (1. Auflage), ISBN 3-89416-246-5
  2. … Tonbandkassette dazu: ISBN 3-89416-121-3; Rump Verlangs- und Vertriebs-GmbH
  3. Erich-Dieter Krause: Deutsch-Esperanto Taschenwörterbuch; Leipzig 1989 (4. Auflage), ISBN 3-324-00398-9
  4. Franz Okelmann: Wörterbuch Esperanto-Deutsch; Bayreuth 1989 (2. Auflage), ISBN ※

Verweise



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